Millionenfacher Verstoß gegen das Tierschutzgesetz

  • Laut einer Studie der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) leiden neun von zehn Mastschweinen aus konventioneller Haltung an schmerzhaften Entzündungen und Geschwülsten.

  • Tierschützer fordern von der Staatsregierung, nur noch tiergerechte Schweinehaltung zu unterstützen.

  • Der Bauernverband nimmt die Studie zwar ernst, will aber eine Folgestudie. Aus ihrer Sicht ist aus den Ergebnissen nicht ersichtlich, dass die Beschwerden der Schweine mit ihrer Haltung zusammenhängen.

Nach der Veröffentlichung der Studie über das Leiden der Mastschweine machen Tierschützer Druck auf die Staats-regierung, die Zustände in der konventionellen Schweinehaltung zu beenden. "Jetzt sind Agrarminister Helmut Brunner und Umweltministerin Ulrike Scharf gefordert", sagte die Vize-Chefin des Tierschutzbundes Bayern, Tessy Lödermann. "Die Studie belegt wissenschaftlich, was wir seit Jahren sagen: Die konventionelle Schweinemast ist ein täglicher und millionen-facher Verstoß gegen das Tierschutzgesetz." Die Grünen-Landtagsabgeordnete Rosi Steinberger fordert Brunner auf, nur noch Mäster zu unterstützen, die in eine tiergerechte Schweinehaltung investieren.

Nach der Studie der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) leiden neun von zehn Mastschweinen aus konventioneller Haltung an schmerzhaften Entzündungen ihrer Beingelenke mit bis zu tennisballgroßen Geschwülsten und rötlich-wunder, in schlimmen Fällen sogar blutig-eitriger Haut. Die Deformationen rühren von der Haltung der Tiere in Ställen mit Spaltenböden her. Auf Spaltenböden wechseln sich Trittbalken mit knapp zwei Zentimeter schmalen Spalten ab, durch die der Kot und der Urin der Tiere fallen und leichter entsorgt werden können. Die Böden sind für die Tiere nicht nur deshalb eine Qual, weil sie auf ihnen nicht wirklich sicher stehen und laufen können. Sondern weil mit zunehmendem Gewicht ihre Beingelenke so strapaziert werden, dass es zu den schmerzhaften Deformationen kommt.

Bio-Schweinen geht es besser

Dabei zeigt die Studie, die unter Leitung des Veterinärmediziners Professor Manfred Gareis entstand, dass es auch anders geht. Die Wissenschaftler untersuchten auch Schlachtschweine aus ökologischer Mast. In Biobetrieben sind Spaltenböden verboten, die Tiere haben viermal so viel Platz wie in konventionellen Höfen und können ins Freie. Das Ergebnis: 86 Prozent der Bio-Schweine entwickeln keinerlei Deformationen an ihren Beingelenken, bei den anderen 14 Prozent stellten die Forscher "geringgradige Veränderungen" (Gareis) fest.

"Wer sicher sein will, dass sein Schweinebraten aus artgerechter Haltung kommt, für den ist Bio das Mittel der Wahl", sagt deshalb Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern. Bio-Schweinefleisch ist freilich mit einem Marktanteil von 1,5 Prozent ein Nischenprodukt. Der Grund: Es ist wenigstens doppelt so teuer als das aus konventioneller Mast. Doch Tierwohlsiegel für Fleisch aus konventioneller Haltung haben sich bei den Verbrauchern nicht durchgesetzt. Konventionell erzeugtes Schweinefleisch mit dem Tierschutzlabel des Tierschutzbunds kommt auf nur 0,15 Prozent Marktanteil.

Bauernverband will eine Folgeuntersuchung

Beim Bauernverband (BBV) nimmt man die LMU-Studie ernst. "Wir sind seit Längerem mit Professor Gareis im Gespräch", sagt Johann Ertl, der BBV-Referent für Schweinehaltung, "unser Ziel ist eine Folgeuntersuchung". Denn für den BBV sind "wesentliche Fragen" offen. "Aus der Studie ergibt sich kein kausaler Zusam-menhang zwischen den Deformationen und der Haltung der Tiere", sagt der BBV-Referent Ertl. "So wussten die Forscher gar nicht, aus welchen Betrieben die Schweine kamen. Außerdem müssen auch andere Faktoren abgeklärt werden, die Genetik der Tiere zum Beispiel oder die Fütterung."

Agrarminister Helmut Brunner (CSU) ist da schon einen Schritt weiter. Er hat bereits vor drei Jahren einen "runden Tisch tierge-rechte Nutztierhaltung" gegründet, zu dessen Treffen auch Tierschützer und Verbraucherschützer eingeladen sind.

Außerdem hat der Minister besondere Förderprogramme für Bauern eingerichtet, die zum Beispiel in Schweineställen auf die Einstreu von Stroh setzen statt auf Spaltenböden. Stroh im Stall ist nach Überzeugung von Tierärzten die beste Vorsorge gegen die massenhaften Gelenksentzündungen. Allerdings ist diese Haltungsform etwas teurer und aufwendiger als ein Spalten-boden.

Quelle: süddeutsche.de

Der achtsame Omnivor

Nur ganz wenig, nur ganz achtsam nehme ich ab und zu ein Ei meiner eigenen Hühner oder derer, von denen ich vermeintlich glaube sie würden so behandelt, wie ich sie behandeln würde. Übersehe, dass es zu den Hennen in gleicher Zahl Hähne geben müsste. Übersehe, dass ich jene längst alle umgebracht habe - mit meinem Konsumverhalten.

Nur ganz wenig, nur ganz achtsam teile ich mit dem Kalb die Milch und übersehe, dass das erstgeborene Brüderchen längst gemästet und geschlachtet ist, obwohl es voller Leben war, als es auf die Welt kam. Übersehe, dass der Papa gerade auf einen unsäglichen Tiertransport in den Nahen Osten verschifft wird.

Dennoch teile ich mit Leidenschaft in Facebook diese Illusion weiter, wir könnten uns mit den Kälbern arrangieren und ihnen nur ganz wenig Milch wegnehmen.

Auch in einer „Welt“ wie Deutschland, in der sich aktuell zehn Menschen eine Milchkuh teilen, um alle Wenigesser mit ausreichend Käse, Joghurt Sahne und Butter zu versorgen.

Aber ich selbst brauche hier wirklich nur ganz wenig. Willkommen im Reich der Illusion.

Ich esse auch nur ganz wenig Fleisch und sehe weiter darüber hinweg, dass jedes achte Schwein im Brühbad erwacht lebend gekocht wird und jedes zwölfte Rind lebendig seziert wird - nennt sich Fehlbetäubungsrate und schließlich bin ich dafür nicht verantwortlich, es gibt doch Tierschutzgesetze und da muss doch dann das Schlachthaus was dran tun, die auch einzuhalten. Muss Strafen geben.

Spirituell wie ich bin schließe ich mich der These an, dass diese Tiere sich für uns hingeben und erkläre den Tierschützern und Veganern, warum Sie diesen Job tun. Natürlich um ihre unerlösten Themen zu bearbeiten. Übersehe dabei die eigenen Schatten, warum ich beseelte Wesen töten muss für 10 Minuten Gaumengenuss, täglich “nur ganz wenig“ dieser Energien esse, die von unermesslichen Leid geprägt sind. Mich zwar sonst am Tag an 1000 Regeln halte, z.B. an Zebrastreifen vor Schulen keine kleinen Kinder überfahre, mir aber aus dem Nichts das Recht ableite, Hühnern ihre Eier zu rauben und Kälbern ihre Milch und Schweinen ihr Fleisch. Spirtualität hin oder her, das Gebot “du sollst nicht töten“ gilt selbstverständlich nicht für das Töten von Tieren ohne Not. Dass ich durch den Konsum von Fleisch- und Milchprodukten automatisch, ob ich will oder nicht, auch Menschen und vor allem Kinder töte und der nächsten Generation den künftigen Lebensraum nehme, das ist im Moment sowieso eine Nummer zu groß für mich.

Ich esse also weiter wie bisher. Nein ich esse achtsam, nur ganz wenig, nur Bio. Auf keinen Fall aus der Massentierhaltung. Vom Metzger neben an. Wo ich weiß, wo es herkommt. Ich habe mir alle Betriebe vorher angesehen. Wirklich? Zugegeben, den letzten Punkt habe ich natürlich nicht umgesetzt.

Mit allen Argumenten aufwartend, innerlich hoffend, dass es so etwas wie eine humane Tötung gäbe und ja nicht zugebend, dass ich selbst nichts anderes bin als Opfer meiner seit Geburt stattfindenden Konditionierung, esse ich also weiter wie gehabt. Blöd ist nur, dass ich schon begriffen habe, dass damit irgendetwas nicht stimmt.

Blöd, wenn ich mitbekomme, dass es Menschen gibt, die diese Konditionierung verlassen können und ich selber schaffe es nicht.

Da gibt es nur zwei Wege: entweder ich lande in der Verdrängung, um bequem so weiterzumachen wie bisher oder ich greife an. Wenn ich spirituell bin, dann erkläre ich am besten gleich mal den Veganern ihre vermeintliche Motivation anstatt anzuerkennen, dass sie in punkto Ernährung einfach ein Stück erwachter sind als ich selbst. Dass sie in punkto Ernährung in die Eigenverantwortung gegangen sind und die Ursache und Lösung in sich selber sehen und sie nicht zurückschieben an Politik und Schlachter. Dass sie sich lösen konnten aus jahrzehntelanger Verdrängung. Das darf ich auf gar keinen Fall zugeben, schon mir selbst zuliebe nicht. Nichts könnte anschließend so bleiben wie es war. Und ich wäre dann tatsächlich die Veränderung, die ich mir wünsche. Das wäre dann keine leeren Worthülse mehr.

( Text: Marietta Anton )

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