Milchquote endete am 01.April 2015

Was bedeutet der Wegfall der Milchquote

für die Kühe?

Am 1. April 2015 endete die Milchquote. Die 1984 eingeführte Quote sollte mit Hilfe von Obergrenzen für die Produktion eine Balance zwischen Angebot und Nachfrage herstellen, da Mitte der 1980er Jahre zu viel Milch auf dem europäischen Markt war. Durch die Begrenzung des Angebots sollten die Preise und das Einkommen der Landwirte gesichert werden. Wer die erlaubte Quote überschritt, musste eine Abgabe zahlen.

Da die Weltmarktnachfrage nach Milch besonders in Nordafrika und Asien steigt, wurde die Quote zum 1. April aufgehoben. Mit dem Auslaufen der Milchquotenregelung wird sich der Konkurrenzkampf zwischen den Milchbauern noch weiter verschärfen. Die Berichterstattung zum Thema beschäftigt sich derzeit hauptsächlich damit, was das Ende der Milchquote für die Erzeuger und die Verbraucher bedeutet. Wir haben uns stattdessen gefragt, was dies für die Kühe bedeutet.

Steigerung der Milchleistung auf Kosten der Kühe
Im Jahr 2013 entsprach die Milchleistung pro Kuh und Jahr durchschnittlich 7.352 kg. Zum Vergleich: Um 1950 waren es noch 2.480. In den letzten 100 Jahren wurde die Milchleistung der Kühe um das Zehnfache gesteigert. Durch einseitige Zucht auf Milchmenge und eine ausgeklügelte Fütterung mit Kraftfutter wird eine moderne "Hochleistungskuh" der Rasse Holstein-Friesian heute dazu gezwungen, jährlich zwischen 8.000 und 11000 Liter Milch zu produzieren. "Spitzentiere" geben bis zu 14.000 Liter pro Jahr. Bei einer Menge von bis zu 50 Litern pro Tag vollbringt ihr Organismus die Stoffwechselleistungen eines Dauermarathons. Um zu illustrieren, wie unnatürlich hoch eine Milchleistung von 50 Litern pro Tag ist, wird deutlich, wenn man miteinbezieht, dass ein Kalb täglich nur ca. 8 Liter trinkt.

Krankheiten und ein früher Tod
Ja, die Information ist richtig. Die enorme Milchleistung bringt den Organismus der Kuh in Grenzbereiche. Diese Maximalleistung hält die Kuh nur zwei bis drei Laktationsperioden durch. Im Durchschnitt landet sie mit vier bis fünf Jahren und nach zwei bis drei Trächtigkeiten auf dem Schlachthof. Fruchtbarkeits-störungen, Festliegen nach der Geburt (Gebärparese), Nachge-burtsverhalten, Gebärmutterentzündungen, Euterentzündungen und Labmagenverlagerungen stehen im Vordergrund. Aufgrund der hohen Milchleistung entgleist der Stoffwechsel.

Die Hochleistungskuh läuft Gefahr, ihr eigenes Körperfett abzubauen, um die Milchleistung erbringen zu können. Sie erkrankt an der sogenannten Ketose und einer Verfettung der Leber. Übersteht sie diese Laktation, so hat sie mit großer Wahrscheinlichkeit Probleme, erneut tragend zu werden, ohne gynäkologische Probleme abzukalben und gesund in eine neue Laktation zu gehen.

Im jugendlichen Alter zur Schlachtung

Die hier genannten "Berufskrankheiten" der Milchkühe treten insbesondere in den ersten 100 Tagen der Laktation auf, also in der Zeit, in der die größte Milchmenge produziert wird. Etwa 40 % der Milchkühe scheiden nach zwei bis drei Laktationen aus und gehen in jugendlichem Alter von vier bis fünf Jahren zur Schlachtung. Dabei könnte eine Kuh 20 Jahre und älter werden.

Das am 25. März vom Bundesminister Schmidt vorgestellte Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft bemängelt u.a., dass die bei Milchkühen im Vordergrund stehenden Erkran-kungen zahlenmäßig nicht so belegt werden können, weil hierzu keine ausreichende Datensammlung vorliegt, und viele Erhebungen zudem nicht öffentlich einsehbar sind. Das Gremium sagt aber auch klar, dass die starke Konzentration auf die Leistung (Milch) zu einer hohen Empfindlichkeit der Tiere gegenüber Gesundheits- und Verhaltensproblemen führt, die nur von einem Teil der Landwirte bewältigt werden können.

Kuhmilch bedingt zahlreiche Krankheiten

Der Mensch braucht keine Milch, weder von der Kuh noch von einem anderen Tier, um sich gesund und kulinarisch zu ernähren. Im Gegenteil: Inzwischen mehren sich die wissenschaftlichen Beweise für die Schädlichkeit der Kuhmilch. Sie ist die häufigste Ursache für eine Lebensmittelallergie im Kindesalter und kann bei Kindern Asthma, Atemwegsinfekte und Mittelohr-entzündungen verursachen. Studien zeigen, dass Milch nicht - wie lange geglaubt - Osteoporose oder Knochenbrüchen vorbeugen kann. Stattdessen erhöht der Milchkonsum das Krebs- und Sterberisiko.

Was können die Bauern tun?

Die Milchbauern stehen unter einem erheblichen wirtschaftlichen Druck. Denn es gibt ein Milchüberangebot. Für ein Kilo Milch gibt es ungefähr 30 Cent, damit können die Kosten nicht gedeckt werden. Überleben können nur Betriebe, die Masse, also große Milchmengen produzieren. Nicht nur die Milchleistung überfordert die Kühe, sondern auch der Milchbauer wird durch das System ausgebeutet. So sank die Zahl der Milcherzeuger in Deutschland seit 1984 von 369 000 auf 77 000.

Dabei könnten sich die Bauern gegen dieses System wehren, z. B. durch den Ausstieg aus dieser Zwangsjacke. Eine mögliche Reaktion für die Bauern wäre es, auf eine biologische Erzeugung umzustellen, die eher auf Qualität statt auf Quantität setzt, die vom Verbraucher honoriert wird.

Quelle: tierrechte.de

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie diese Webseite benutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies entsprechend den Bestimmungen unserer Datenschutzerklärung zu. Wir sammeln keine Daten, über die Sie persönlich identifiziert werden können. mehr Infos