Industrielle Landwirtschaft

Industrielle Landwirtschaft ist größter Umweltverschmutzer

Eine aktuelle Studie des Umweltbundesamts zeigt, welchen Schaden die Agrarindustrie verursacht. Die Landwirtschaft ist danach nach der Industrie der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen in Deutschland. Sie belastet die Umwelt mit Stickstoff, Phosphor und Schwermetallen. Pflanzenschutzmittel mit Breitbandwirkung töten nicht nur Schädlinge, sie vernichten auch andere nützliche Insekten und zerstören damit die Nahrungsgrundlage insektenfressender Vögel und Säugetiere. Immer mehr Arten verschwinden aus der Agrarlandschaft.

Die Präsidentin des Umweltbundesamtes Maria Krautzberger verweist vor allem auf die Probleme durch die industrielle Tierhaltung. Die größten Agrarumweltprobleme seien ohne Zweifel mit der räumlich konzentrierten Intensivtierhaltung in Großbetrieben verbunden. Aus den Ställen entweicht Ammoniak, das die Bildung von Feinstaub fördert. Gülle wird in zu großer Menge zur Belastung für die Umwelt. Mit Antibiotikarückständen aus der Mast von Schweinen, Hähnchen, Puten und Kälbern stiege die Gefahr, dass sich resistente Keime bilden.
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Die erste weltweit bekanntgewordene Studie ist die der Welternährungsorganisation FAO "Livestocks Long Shadow. Environmental Issues and Options" aus dem Jahr 2006 mit ihren 400 Seiten. Die Viehwirtschaft sei mit 18 % der von Menschen verursachten CO2-Emissionen noch vor dem Verkehr der größte Emissionsfaktor. Die Treibhausgasemissionen der Viehhaltung seien um 40 % höher als der gesamte Verkehr mit seinen 14 % einschl. Flugzeug- und Schiffsverkehr. 8 % des global verfügbaren Trinkwassers würden von der Viehwirtschaft verbraucht, hauptsächlich für die Erzeugung der Futtermittel (nach anderen Studien bis zu 50 %. In den USA gehe fast die Hälfte des gesamten Wasserverbrauchs auf den Anbau von Futtergetreide zurück). Der direkte menschliche Verbrauch (Trinkwasser, Duschen, Industrie etc.) komme auf rund 1 %. 15.000 l Wasser für 1 kg Rindfleisch, die gleiche Menge Getreide benötige nur etwa 450 l. Knapp 50 % der globalen Getreideernte landeten in den Trögen der weltweit rund 20 Mrd. Nutztiere.

Dennoch werde dies in den meisten Klimadiskussionen konsequent ignoriert. (Zusatz: Bei Interessenvertretern wie dem

Deutschen Bauernverband und den Lebensmittelkonzernen fehlt das Problembewusstsein nach wie vor).

Die Nutztierhaltung sei zugleich die wesentliche Ursache für Überweidung, Boden-verdichtung, Bodenerosion und Wasser-verschmutzung, für den Rückgang der Artenvielfalt bei Flora und Fauna. Insgesamt gelten 15 von 24 wichtigen Ökosystemen als gefährdet, verschuldet durch die Nutztierhaltung.

20 % der weltweiten Weideflächen gelten als zerstört durch Überweidung, Erosion oder Verdichtung. Diese Zahl ist lt. FAO noch höher in Trockengebieten, wo ungenügendes Management zu voranschreitender Desertifikation beitrage.

Mehr als der Landfläche werde von landwirtschaftlichen "Nutztieren" beansprucht, 1/3 des verfügbaren landwirtschaftlich nutzbaren Landes für die Futtermittelerzeugung verwendet (so auch "Livestock in a Changing Landscape,International Report" 2010 der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft). Nach anderen Studien wird auf etwa der Hälfte der weltweiten Ackerfläche Tierfutter angebaut und dazu oft Grünland zu Ackerland umgebrochen. Lt. Umwelt-Bundesamt 60 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland.

Zu den "Klimawirkungen der Landwirtschaft in Deutschland" schrieb das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung 2008: "Die Haltung von Milchkühen ist innerhalb der deutschen Rinder-haltung mit 57 % der Treibhausgasemissionen der bedeutendste Verursacherbereich. Rechnet man außerdem die weiblichen Rinder hinzu, die der Nachzucht von Milchkühen dienen, ergibt sich ein Anteil von zusammen 70 % der Treibhausgasemissionen der Rinderhaltung, die unmittelbar der Milcherzeugung zuzurechnen sind." (S. 16).

In einer Presseerklärung des Bayerischen Umweltministeriums aus 2007 heißt es, für die Erzeugung von 1 kg Rindfleisch würden 6,5 kg CO2 freigesetzt, für die gleiche Menge Obst hingegen nur kg, Gemüse nur 150 g CO2.

(Lt. Statistischem Bundesamt wurde in Deutschland noch nie soviel Fleisch erzeugt wie 2010, nämlich 8 Mill. t, 302.000 mehr als im Rekordjahr 2009. Und die Bundesregierung will die zuneh-mende Fleischerzeugung für den Export noch ausweiten. - Der Pro-Kopf-Fleischverbrauch in Deutschland betrug 2010: 88 kg (einschl. Geflügelfleisch).

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