Folgerung

Das Naheliegende forderten schon Pythagoras, Empedokles, Sokrates, Xenokrates, Horaz, Seneca, Plutarch, Porphyrios und andere in der Antike: fleischlose Ernährung. Vor Jahrzehnten Albert Einstein: "Nichts wird die Chance auf ein Überleben auf der Erde so steigern wie der Schritt zur vegetarischen Ernährung." Heute sind es Fachleute wie der Vorsitzende des UN-Weltklimarats Dr. Rajendra Pachauri: "Ich bin zum Vegetarier geworden. Dies, weil die Produktion eines einzigen kg Fleisch etliche kg CO2 freisetzt. ... Wenn alle Belgier innerhalb eines Jahres an nur einem Tag in der Woche kein Fleisch verzehren würden, hätte das denselben Effekt auf den Treibhausgasausstoß wie eine Million Autos weniger auf den Straßen Belgiens für die Dauer eines Jahres." Oder Ralf Conrad, Direktor des Max-Planck-Instituts für terristrische Mikrobiologie: "Keine Rinder mehr essen, auf Milchprodukte verzichten." Der ehemalige Chefökonom der Weltbank und Klimafachmann Lord Nicholas Stern (2009): "Der einzige Weg, den Planeten zu retten, ist eine globale Bewegung hin zum Vegetariertum."

Jeremy Rifkin schrieb bereits 1992: "Heute geht die lange Geschichte der Beziehung zwischen Mensch und Rind ihrer dritten Stufe entgegen. Indem wir uns bewusst dafür entscheiden, das Fleisch des Rindes nicht mehr zu essen, bekunden wir unseren Willen, mit dieser Kreatur ein neues Bündnis einzugehen, das über das Diktat des Marktwertes und des übertriebenen Konsums hinausgeht.

Das Rind von den Qualen und der Erniedrigung zu erlösen, denen es in den modernen Mastfabriken und Schlachtbetrieben ausgesetzt ist, wäre als menschlicher Akt von weitreichender symbolischer und praktischer Bedeutung zu begreifen, und es wäre ein Symbol der Reue und Wiedergutmachung, wenn wir darauf verzichten, das Rind zu enthornen, zu kastrieren, mit Hormonen und Ötrusblockern, Antibiotika und Insektiziden zu behandeln und ihm einen würdelosen Tod an den vollautomatisierten Schlachtbändern zu bereiten.

Es wäre dies alles ein Zeichen der Erkenntnis der Zerstörung, die wir der gesamten Schöpfung auf unserer Jagd nach der uneingeschränkten Macht über die Natur zugefügt haben. Die Überwindung der jetzigen sogenannten Rinderkultur ist gleichbedeutend mit dem Wandel unserer Vorstellung vom angemessenen Umgang mit der Natur. ... Die Verminderung des Rinderbestandes auf eine ökologisch vertretbare Zahl wird eine Gesundung und Erneuerung der Natur auf allen Kontinenten fördern." (Rifkin, S. 252 f.)

Und die Organisation "Welthungerhilfe" stellte schon vor Jahren

fest: "Auch die Menschen in den Industrieländern können ihren Beitrag leisten. Wenn sie weniger Fleisch essen, muss weniger Getreide verfüttert werden." ("Welternährung", 1/1996).

"Damit die Weltgetreideernte in Zukunft für alle reichen kann, werden die reichen Nationen ihren Fleischkonsum reduzieren müssen. Futtermittel für Masthühner, Zuchtfische, Industrie-schweine und Intensivhaltungsrinder sind ein (EU-subven-tionierter) Luxus, den sich nicht mehr als 15 % der Weltbevölkerung leisten können." ("Welternährung", 1/1997)

Als der frühere Präsident Bill Clinton vor ca. 13 Jahren seinen Mitbürgern erklärte, dass 60 Millionen Menschen weniger hungern müssten, wenn die US-Amerikaner nur 10 % weniger Fleisch essen würden, wollte noch niemand diesen Zusammen-hang verstehen.

2004 veröffentlichte das World Watch Institute einen Artikel: "Meat Now, it"s not personal! But like it or not, meat-eating is becoming a problem for everyone on the planet."

Nach der Foodwatch-Studie "Klimaretter Bio?" (2009) spart eine vegetarische Ernährung 50-60 % aller Treibhausgasemissionen aus der Agrarwirtschaft, eine vegane 87 %.

Unterstellt man die Abschaffung der Intensiv-Massentierhaltung und eine wesentliche Verbreitung des Vegetarismus in über-schaubarer Zeit als irreal, so ist die Transformation zu einer sozial-ökologischen Landwirtschaft durchaus nicht nur ein notwendiges sondern auch realistisches Ziel. Konzepte dazu liegen seit Jahrzehnten vor.

Die aktuellen Zahlen für europäische Fleischexporte 2010 brechen alle Rekorde. Allein die Geflügelexporte stiegen um 25 % auf 1,3 Mill. t. Deutschlands Fleischexporte in Drittstaaten stiegen zwischen 8 % bei Geflügel und 17 % bei Schweinefleisch. Dahinter verbirgt sich auch die massenhafte und verantwortungslose Ausfuhr von Fleischresten nach Afrika.

Diese offensive Exportstrategie für lebende Tiere und tierische Nahrungsmittel ist zu unterbinden, stattdessen sind regionale Wirtschaftskreisläufe und die Förderung des extensiven ökologischen Landbaus zu forcieren. Einheimisches, möglichst betriebseigenes Futter verwenden, Förderung der Weide- und Freilandhaltungen. Verzicht auf synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel, zumindest deren Verminderung, geringerer Tierbesatz, keine weiteren Agrarfabriken, keine langen Tiertransporte. Verlängerung der Nutzungsdauer des Milchviehs. EU-weite Förderung mittelständischer bäuerlicher Strukturen.

nächste Seite: Klimawandel

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie diese Webseite benutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies entsprechend den Bestimmungen unserer Datenschutzerklärung zu. Wir sammeln keine Daten, über die Sie persönlich identifiziert werden können. mehr Infos