Tierschutzrelevante Missstände

vor der Schlachtung

Schon einige Tage vor der Schlachtung, die im Fachjargon als "Ernte" bezeichnet wird, sind die Fische erheblichen Belastungen ausgesetzt.

Die Tiere erhalten kein Futter mehr, damit der Stoffwechsel sich verlangsamt und der Darm zum Zeitpunkt der Schlachtung leer ist. Diese Fastenperiode Hältern genannt - dauert in der Praxis ein bis zwei Wochen, manchmal auch nur einige Tage. Verschiedene Wissenschaftler empfehlen, die Hälterungszeit drei Tage nicht überschreiten zu lassen, da die Fische bei einer längeren Hungerphase zu stark leiden, hungern (3).

Außerdem werden die Fische in Becken oder Netzen eng zusammengetrieben beispielsweise auf 250 Kilogramm Fisch pro Kubikmeter (5). Normale Schwimmbewegungen und natürliches Verhalten sind unter diesen Umständen unmöglich und es kommt zu Verletzungen. Durch die große Menge an Tieren verschlechtert sich die Wasserqualität, der Sauerstoffgehalt nimmt ab und die Temperatur steigt an, was eine zusätzliche Belastung darstellt. Die zusammengedrängte Haltung kann Stunden oder Tage andauern, bevor die Fische aus dem Wasser befördert werden.

Lachse und Forellen werden meist vollautomatisch aus dem Wasser gepumpt. Dabei versuchen einige Tiere, gegen den Strom anzuschwimmen, verletzen sich oder bleiben in den Beförderungsanlagen stecken. Auch beim Öffnen und Schließen der Schieber können Tiere eingeklemmt werden (6).

Andere Fische werden mit Netzen gefangen und in Sammelbehälter gegeben. Werden die Fische von einem Tank in einen anderen geschüttet, wie es zum Beispiel bei Aalen häufig geschieht, kann es vorkommen, dass sie aus einer Höhe von ein bis zwei Metern herunterfallen, sich verletzen und verenden (7) .

Weitere Belastungen stellen Berührung durch Menschen, Lärm, Tageslicht und Erschütterungen beim Transport dar. Befindet sich Blut von bereits verletzten oder getöteten Fischen im Wasser, versetzt das die lebenden Fische in zusätzliche Unruhe.

Zwischen der Entnahme aus dem Wasser und weiteren Maßnahmen zur Betäubung oder Tötung sollten die Fische nicht länger als zehn Sekunden der Luft ausgesetzt sein, da sie dadurch Atemnot, großen Stress und Angst ausgesetzt sind. Dem entspricht die gängige Praxis jedoch meist nicht (5). Karpfen lässt man z.B. nach der Entnahme aus dem Wasser oft in größeren Haufen an der Luft liegen, bevor sie betäubt und getötet werden (10). Auch andere Fische befinden sich an der Luft, bevor sie manuell oder mittels eines Geräts betäubt oder getötet werden.

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3. Schlacht- und Betäubungsmethoden

Die Schlachtung von Fischen sollte nach Ansicht des Deutschen Tierschutzbundes die gleichen Grundsätze erfüllen wie die von Säugetieren und Geflügel. Sie sollte ohne Schmerz, Angst und Stress erfolgen. Die Tiere sollten so betäubt werden, dass eine sofortige Bewusstlosigkeit eintritt, die bis zum Tod anhält. Außerdem sollte die mit dem Betäuben oder Töten beauftragte Person in der Lage sein zu unterscheiden, ob ein Fisch korrekt betäubt oder tot ist und sie sollte die Kenntnisse und die Möglichkeit haben, nicht ausreichend betäubteTiere nachzubetäuben.

Diese Forderungen an die schonende Schlachtung von Fischen sind in der Realität meist nicht zu finden. Für einige Fischarten wurden schonende, teils automatische, Tötungsverfahren entwickelt, für andere fehlt jeder Ansatz dazu - für sie gibt es keine kommerzielle und auch keine humane Tötungsmethoden.

Bei einigen Betäubungs- und Tötungsverfahren leiden die Fische zwar deutlich weniger als bei anderen, aber bislang kann kein Verfahren garantieren, dass die Ansprüche an eine humane Betäubung und Schlachtung erfüllt werden. Vielmehr sind viele der existierenden Tötungsmethoden für die Fische mit erheblichem Leiden über einen längeren Zeitraum hinweg verbunden. Daher forderte die EFSA bereits 2004, es müssten bessere Betäubungsmethoden entwickelt werden, die zur sofortigen Bewusstlosigkeit führen und sie wiederholte diese Aufforderung im Jahr 2009 (5) (12).

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3.1. Ersticken an Luft oder auf Eis/Lebendkühlung

(live chilling)
Das Ersticken der Fische an der Luft oder auf Eis ist in der EU die übliche Methode zur Tötung zum Beispiel von Steinbutt, Forelle, Wels, Aal, Seebrasse und Dorade. Die Fische werden nicht betäubt und nicht aktiv getötet. Sie sterben durch Ersticken.

Eine Methode besteht darin, die Fische einfach so lange an der Luft liegen zu lassen, bis sie nach ein bis zwei Stunden tot sind oder sie zu verarbeiten, wenn die spontanen Bewegungen aufgehört haben.

Bei einem anderen Verfahren - der sogenannten Lebendkühlung - werden die Fische auf Eis oder auf ein Wasser/Eis- Gemisch gegeben. Sie werden dazu aus Wasser mit normaler Umgebungstemperatur herausgenommen und in einen Behälter mit einem Gemisch von Wasser und Eis mit einer Temperatur von 0-2 C gegeben. Der Temperaturunterschied beträgt meist mindestens 10 C und ist für die Fische mit großem Stress verbunden. Anschließend wird das Wasser langsam entfernt, das Eis aber bleibt. Das Ziel ist es, den Fisch gleichzeitig zu kühlen, ruhig zu stellen und durch Ersticken zu töten.

Je niedriger die Temperatur ist, um so länger dauert es, bis die Fische tot sind, bei Forellen zum Beispiel vergehen bei einer Temperatur von 20 C etwa zwei Minuten bis sie an der Luft sterben, bei 2 C aber 14 Minuten (15). Die Tiere reagieren oft eine halbe Stunde lang mit Abwehr,- Flucht- und Schwimmbewegungen. Bei fortschreitendem Abkühlen werden sie zwar bewegungsunfähig, Reflexe und Atmung verlangsamen sich, aber die Tiere sind nicht bewusstlos. Wenn die Fische vorher in niedrigen Umgebungstemperaturen gelebt haben, bleiben die Abwehrreaktionen auf die Kälte zwar aus, die Fische sind aber bei Bewusstsein. Daher kann es vorkommen, dass Kältestarre und Totenstarre verwechselt werden, was dazuführt, dass Fische scheinbar tot aus dem Wasser entnommen und unbetäubt getötet bzw. ausgenommen werden (14).

Es kommt hinzu, dass die Tiere - Steinbutt zum Beispiel - bei der Lebendkühlung in mehreren Lagen übereinander geschichtet werden, so dass die unten liegenden Fische zusätzlich unter dem Gewicht der oberen Fische und des Eises erheblich leiden (9).

Ein weiteres Problem ist die mit der Zeit steigende Menge an Ausscheidungsprodukten. Die Wasserqualität sinkt, was die Fische zusätzlich zu dem Temperaturunterschied sehr belastet.

Die EFSA empfiehlt die Tötungsmethode durch Ersticken bei keiner Fischart einzusetzen, da es von allen Tötungsmethoden die für die Tiere belastendste ist. Stattessen solle die Industrie unverzüglich dazu ermutigt werden, bestehende Alternativverfahren zu nutzen und weiter zu entwickeln (5) (12).

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3.2. Kopfschlag

Der Kopfschlag kann manuell oder mit einem Gerät ausgeführt werden. Trifft der Schlag den Schädel korrekt und mit ausreichender Stärke, bewirkt das die sofortige Bewusstlosigkeit oder den Tod des Tieres (15). Wird der Schlag fehlerhaft ausgeführt, beispielsweise durch Ermüdung der ausführenden Person oder weil der Fisch zappelt, kommt es nur zu Verletzungen oder lediglich zu einer Lähmung des Fisches. Für einige Fischarten wie afrikanischen Wels, Aal und Brasse ist das Verfahren auf Grund der Morphologie des Schädels nicht geeignet. Sie werden nicht bewusstlos (16). Bei Fischen, die im Allgemeinen als Ganzes mit Kopf verkauft werden, ist die Methode aus optischen Gründen nicht üblich, obwohl sie effektiv wäre.

Bei Lachsen z.B. verläuft die Tötung oft vollautomatisch mit Schlagbetäubungsgeräten. Dabei kann es zu Fehlbetäubungen kommen, wenn der Fisch zu groß oder zu klein ist oder in verkehrter Richtung in das Gerät gelangt. Der Schlag führt dann zu Verletzungen oder zur Lähmung aber nicht zur Betäubung des Fisches. In jedem Fall sollten Fische nach dem Schlag sofort getötet und ausgenommen werden.

Nach Einschätzung der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) ist der Kopfschlag eine geeignete Methode zur Betäubung von Karpfen, Lachsartigen und Heilbutt (17).

Die EFSA empfiehlt Methoden der Kopfschlagbetäubung weiter zu entwickeln, da es ein geeignetes Verfahren ist um die meisten Fischarten zwischen 0,2 und 14 Kilogramm Körpergewicht innerhalb von einer Sekunde zuverlässig zu betäuben. Sie fordert, dass die geeigneten Fischarten, die einwirkende Kraft und die zu treffende Schädelregion definiert
werden (12).

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3.3. Kohlendioxid (CO2)

Kohlendioxid ist in Wasser gut löslich und hat bei einem ph-Wert von 4,5 einen betäubenden Effekt auf Fische. Das Gas wird vor allem in Norwegen und in den USA zur Betäubung oder Tötung von Lachsen eingesetzt. Der CO2-Betäubung kann eine Phase der Lebendkühlung vorausgehen, bei der die Fische infolge des Temperaturschocks zusätzlich leiden.

Das CO2 wird in einen Wasserbehälter eingeleitet, in den man, sobald eine bestimmte Gaskonzentration erreicht ist, die Fische hineinpumpt. CO2 reizt die Schleimhäute. Außerdem leiden die Fische an Sauerstoffmangel. Sie reagieren mit Abwehrreaktionen und Fluchtversuchen und verletzten sich teilweise. Werden die Fische lange genug in CO2 gesättigtem Wasser belassen, führt dies zum Tod.

In der kommerziellen Lachsschlachtung wird CO2 nicht zur Tötung, sondern zur Ruhigstellung der Tiere eingesetzt. Obwohl die Industrie empfiehlt, die Fische mindestens vier bis fünf Minuten lang in CO2-gesättigtem Wasser zu lassen (18) und Untersuchungen zeigen, dass Lachse erst nach etwa sechs Minuten bewusstlos werden (23), werden die Tiere meistens schon nach zwei bis drei Minuten, wenn sie ruhiger werden, aus dem Wasser entfernt und entblutet. Das bedeutet, sie sind während der Entblutung noch bei Bewusstsein. Wenn auch die Entblutung fehlerhaft durchgeführt oder nicht lange genug gewartet wird, bis die Tiere ausgeblutet sind, werden die Fische ausgenommen, obwohl sie nicht bewusstlos sind (6).

Für einige Fischarten ist die CO2-Betäubung überhaupt nicht geeignet: Forellen sind noch nach sechs Minuten bei Bewusstsein (8), Aale, Karpfen und Störe über eine Stunde lang (19).

Die EFSA rät von CO2 zur Betäubung oder Tötung aus Tierschutzgründen bei allen Fischarten ab - wegen der heftigen Erregungszustände der Fische bis zum Eintritt der Betäubung, der langen Dauer bis zum Erreichen der Betäubungswirkung und der unzureichenden Wirkung des Gases.

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3.4. Elektrische Durchströmung

Es gibt Verfahren, bei denen die Fische im Trockenen in ein Gerät gelegt und elektrisch betäubt werden und Methoden, die Tiere im Wasser elektrisch zu durchströmen und damit zu betäuben. Beides ist jedoch nicht sehr weit verbreitet.

Die automatische Betäubung im Trockenen ist mit ähnlichen Problemen verbunden wie die automatische Schlagbetäubung. Entspricht der Fisch nicht der Norm oder gelangt er nicht mit dem Kopf zuerst in das Gerät, erhält er Stromstöße, die keine oder keine ausreichende Betäubungswirkung haben. Bei bis zu 50% der Lachse kann es passieren, dass sie das Gerät mit dem Schwanz zuerst erreichen (6).

Um Fische im Wasser zu betäuben, muss ein gleichmäßiges elektrisches Feld im Wasser hergestellt werden, das stark genug ist, um auch den größten Fisch zu betäuben. Es muss festgelegt werden, welche Stromstärke für welche Zeitspanne bei welcher Menge, Art und Größe von Fischen und welcher Leitfähigkeit des Wassers eingesetzt werden muss. In der Praxis wird eine sofortige Bewusstlosigkeit nicht immer erreicht, weil die Stromstärke zu schwach oder die Einwirkdauer zu kurz ist. Die Fische bekommen dann - möglicherweise sogar für längere Zeit - Stromstöße, die nicht zur Betäubung führen, sie sind dann zwar bewegungsunfähig aber nicht bewusstlos oder nicht für eine ausreichend lange Zeitdauer betäubt. Auch wenn die Zeitspanne bis zum Entbluten zu lang ist, besteht das Risiko, dass die Fische das Bewusstsein vor oder während des Entblutens oder Ausnehmens wieder erlangen.

Die OIE beurteilt die Elektrobetäubung als gute Methode für Karpfen, Wels, Aal, Lachsartige und Tilapia (17) und auch die EFSA schätzt sie als geeignetes Verfahren ein, um Fische innerhalb von einer Sekunde in eine zuverlässige Betäubung zu versetzen oder zu töten. Es zeigte sich auch, dass die elektrische Durchströmung eine gute Alternative zur Lebendkühlung und Entblutung ohne vorherige Betäubung beispielsweise beim Steinbutt ist (9, 24). Die EFSA fordert, die elektrischen Betäubungs- und Tötungsverfahren weiter zu entwickeln und festzulegen, für welche Fischarten sie geeignet sind und welche Stromparameter für welche Zeitdauer einwirken müssen (12).

Für die elektrische Betäubung von Aalen im Wasserbecken schreibt die deutsche Schlachtverordnung die genauen Stromwerte und eine Durchströmung für die Dauer von fünf Minuten vor. Allerdings haben Untersuchungen gezeigt, dass diese Stromwerte nicht ausreichen, um alle Aale zu betäuben (7). Nach der elektrischen Durchströmung werden die Aale zum Entschleimen für zehn Minuten in Salz- oder Ammoniaklösungen gegeben, dabei sterben alle noch lebenden Aale. Die EFSA kommt zu dem Schluss, dass es gegenwärtig keine Betäubungsmethode für Aale gibt, die eine sofortige Bewusstlosigkeit für einen ausreichend langen Zeitraum garantiert. Die elektrische Durchströmung sei das einzige Betäubungs- oder Tötungsverfahren, das für Aale empfehlenswert sei, auch wenn es verbessert werden müsse um einen sofortigen Verlust des Bewusstseins zu gewährleisten (7).

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3.5. Erschießen

In Aquakulturen gehaltene Thunfische werden häufig vor dem Schlachten eng zusammengetrieben und dann erschossen. Dieses Verfahren ist besonders in Spanien und Australien verbreitet, um große Fische von mehr als 50 Kilogramm entweder unter oder über Wasser durch einen Kugelschuss in den Kopf zu töten. Das Schiessen unter Wasser mittels einer Lupara genannten Waffe ist für die Fische weniger belastend und hat eine niedrigere Fehlerquote als das Schießen über Wasser. Mit der Lupara muss bei 1-4 % der Tiere ein- oder mehrmals nachgeschossen werden. Die Methode ist zeitaufwendiger als das Schiessen über Wasser.

Wird über Wasser geschossen, werden die Fische zuvor mit einem Haken über die Wasseroberfläche gezogen. Um die Bewegungen einzuschränken werden sie damit ein bis drei Minuten an der Luft gehalten, bevor sie erschossen werden. Trotzdem ist bei sieben bis zehn Prozent der Tiere ein zweiter Schuss notwendig um sie zu töten. Das Herausziehen mit dem Haken ist schmerzhaft, der Knall des Schusses und das Blut erschrecken die anderen Fische (11).

Die OIE stuft das Verfahren als für Thunfisch geeignet ein (17). Die EFSA fordert Verbesserungen, insbesondere zum Herausziehen der Fische aus dem Wasser mit dem Haken sollten Alternativen entwickelt werden, da es mit den Prinzipien des Tierschutzes nicht vereinbar ist (11).

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3.6. Durchbohren (coring / spiking / iki jime)

Diese Methode kommt ebenfalls bei der Tötung von Thunfischen zum Einsatz, wird aber auch bei Lachsen verwendet.

Fische von weniger als 50 Kilogramm werden mit Hilfe eines Seils oder eines Hakens aus dem Wasser gezogen. Anschließend wird manuell oder mechanisch eine Art Stachel oder Stab ins Gehirn gestoßen, das den Fisch durch Zerstörung des Gehirns tötet (coring). Bei richtiger Anwendung treten Tod oder Bewusstlosigkeit innerhalb von einer Sekunde ein. Bei kleinen Fischen, mit einem entsprechend kleinen Gehirn und die dazu noch Fluchtversuche unternehmen, ist die präzise Platzierung des Geräts nicht möglich. Deshalb sollte das Verfahren nicht für Fische von weniger als 10 kg Körpergewicht verwendet werden (12).

Wird ein Stab fehlerhaft gesetzt, fügt das dem Fisch große Schmerzen zu, sie sind nicht sofort oder gar nicht betäubt und beim anschließenden Entbluten nicht bewusstlos. Möglichst unmittelbar an das coring anschließend sollte das Tier entblutet und das Rückenmark zerstört werden.

Tierschutzprobleme entstehen auch beim Ziehen der Fische aus dem Wasser.

Da das Durchbohren bei korrektem Ansatz zur sofortigen Betäubung oder zum Tod führt (11), stuft die OIE es für Salmoniden und Thunfisch als ein geeignetes Verfahren ein (17). Die EFSA kritisiert das Herausziehen der Fische mit dem Haken und das hohe Risiko der Fehlbetäubungen und empfiehlt es nicht (11).

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3.7. Behandl. mit Salz oder Ammoniak und Ausnehmen

Für die Tötung von Aalen werden spezielle Tötungsverfahren eingesetzt, die einer schonenden Schlachtung besonders widersprechen. In Deutschland ist auch für Aale vor der Tötung eine Betäubung vorgeschrieben. In vielen anderen Ländern ist sie nicht üblich.

Die Aale werden in einen Behälter gegeben, nach und nach werden Salz oder 25 %ige Ammoniaklösung dazu geschüttet. Damit wird die Schleimhülle der Tiere zerstört, die Augen werden geschädigt, es kann auch die Haut verletzt werden. Die Fische machen außerordentlich lebhafte Fluchtversuche. Bei der Ammoniakmethode beginnen die Aale außerdem, unmittelbar nach Zugabe des Ammoniaks aus den Kiemen zu bluten. Zusätzliche Probleme entstehen durch die Schichtung der Fische. Diejenigen, die oben liegen, drücken auf die unten liegenden. Die Körperbewegungen stoppen, vermutlich aus Erschöpfungsgründen, bei der Salzbadmethode nach 10 bis 30 Minuten, beim Ammoniak nach etwa vier Minuten (7).

Der Tod tritt nach circa 15 Minuten durch den osmotischen Schock ein, besonders bei der Salzbadmethode werden die meisten Aale jedoch ausgenommen bevor sie tot sind. Um Schleim und Salz zu entfernen werden die Fische anschließend in einer speziellen Maschine zehn Minuten lang gewaschen. Einige Tiere machen sogar dort noch gerichtete Bewegungen. Das Salzen bzw. Töten mit Ammoniak gilt als billige, einfache und wenig arbeitsintensive Methode, um die Aale für die Verarbeitung vorzubereiten und den Schleim zu entfernen (7).

Die Behandlung von Aalen mit Salz oder Ammoniak ist in Deutschland seit 1999 verboten, in den Niederlanden seit 2006.

Eine Abwandlung der Salz-Verfahrens besteht in der Zugabe von Eiswasser. Auch hier kommen die Aale in einen Tank. Das Gewicht der oben liegenden drückt auf die unten liegenden Tiere. Es werden eine Salzlösung und nach und nach Eiswasser hinzugegeben. Die Fische reagieren darauf mit Fluchtversuchen. Sie sollen immobilisiert werden, aber leben. Der Behälter wird über Nacht stehen gelassen. Am nächsten Tag werden die Aale durch Ausnehmen getötet. Währendessen wird der Schleim entfernt. Das Ausnehmen lebender Tiere ist tierschutzrelevant. Es kann davon ausgegangen werden, dass alle Aale noch bei Bewusstsein sind (7).

Nach Aussage der EFSA sind diese Tötungsmethoden die schlechtesten, da die Aale am längsten leiden. Sie sollten nicht verwendet werden, da die Tiere vor dem Tod unnötigen Leiden ausgesetzt werden, Aale sollten ausschließlich durch elektrische Durchströmung betäubt oder getötet werden (7).

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3.8. Köpfen (Decapitation)

Da Aale schwer zu töten sind, werden sie manchmal geköpft. Diese Methode ist deswegen abzulehnen, weil das Herz auf Grund seiner anatomischen Lage üblicherweise mit dem Kopf abgetrennt wird. Untersuchungen beweisen, dass die Aale erst 13 Minuten nach Abtrennen des Kopfes keine Schmerzreaktionen mehr zeigen (16, 20).

3.9. Entblutung

Normalerweise werden die Fische betäubt, bevor sie durch Einschneiden der Kiemen entblutet werden. In manchen Regionen werden Fische aber auch ohne vorhergehende Betäubung ausgeblutet (z. B. Lachs, Regenbogenforelle, Kabeljau, Steinbutt, Gabelwels). Das Ausbluten ohne vorhergehende Betäubung ist eine sehr langsame Tötungsmethode, es kann Minuten oder auch eine Stunde dauern, bis die Fische sterben. In den ersten 30 Sekunden des Ausblutens zeigen die Tiere heftige Abwehrreaktionen. Lachse benötigen 4,5 Minuten um keine Bewusstseinsreaktionen mehr zu zeigen (15), bei Steinbutt enden Verhaltensreaktionen sogar erst nach 15 Minuten und der Tod tritt erst nach 1-1,5 Stunden ein (22).

Bei tieferen Temperaturen dauert es länger, bis die Fische sterben. Werden sie auf Eis gelagert, verlängert sich die Zeitspanne somit zusätzlich. Zum Entbluten wird Steinbutt beispielsweise zwei Stunden oder länger auf Eiswasser gelagert. Noch eine Stunde nach dem Entbluteschnitt wurden Abwehrbewegungen festgestellt (9).

Die Entblutung kann manuell oder automatisch durchgeführt werden. Am zuverlässigsten ist das manuelle Verfahren. Der Erfolg des automatischen Entblutens hängt von der Größe des Fisches ab und davon, ob er in korrekter Position im Gerät liegt. Zu große, zu kleinen oder Fische, die nicht mit dem Kopf zuerst im Gerät liegen, werden nicht am Kiemen getroffen, wohl aber verletzt. Wenn die Entblutung nicht korrekt durchgeführt oder nicht lange genug gewartet wird, bis die Tiere vollständig ausgeblutet sind und wenn die Tiere zudem noch auf Eis gelagert werden, sind viele Fische nicht tot, wenn sie ausgenommen werden. Werden beim Ausweiden Leber und Därme entfernt, das Herz aber nicht, führt nicht einmal das Ausweiden zum Tod.

Nach Ansicht der EFSA ist das Ausbluten ohne Betäubung für die Fische mit Leiden verbunden und ethisch nicht vertretbar, so dass eine Betäubung dem Entbluten immer vorausgehen sollte (9, 12).

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4. Alternative Betäubungsmethoden

Es gibt Substanzen, wie Nelkenöl und ähnliche Verbindungen (Eugenol), die, wenn sie ins Wasser gegeben werden, auf Fische betäubend wirken. Eine besondere Kombination wird unter dem Namen "AQUI-STM" vermarktet und in Australien, Chile und Neuseeland zur Betäubung von Lachsen verwendet. Wenn das Präparat dem Wasser zugegeben wird, verliert der Lachs nach etwa 30 Minuten seine motorischen Funktionen und Reaktionsfähigkeit (23). So werden Stress, Unruhe und Angst für die Fische vor der Schlachtung reduziert. Die Fische werden dann eingefangen und durch Kopfschlag oder Spiking getötet. In der EU sind diese Substanzen für die Vorbereitung der Schlachtung von Fischen, die für den menschlichen Verzehr gedacht sind, nicht zugelassen.

5. Forderungen aus Tierschutzsicht

  • Ein Großteil der Fische leidet vor und während des Schlachtprozesses erheblich. Deshalb muss die Schlachtung von Fischen in Bezug auf Tierschutzkriterien dringend verbessert werden.

  • Bei Erzeugern und Verbrauchern muss ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass Fische Angst, Schmerzen und Leiden empfinden können, damit diese Tatsache bei der Schlachtung berücksichtigt werden.

  • Für alle Fischarten müssen schonende Tötungsmethoden zum Standard und gesetzlich vorgeschrieben werden, die die gleichen Tierschutzprinzipien erfüllen, wie die für Vögel und Säugetiere.

  • Es existieren schonende Betäubungs- und Tötungsverfahren für Fische, beispielsweise. die Elektrobetäubung, durch welche die gebräuchlichen, für die Fische belastenden Methoden, wie das Ersticken oder Salzen, umgehend abgelöst werden müssen.

  • Eine schonende Schlachtung muss ohne Schmerzen verlaufen. Alle Fische müssen vor der Tötung betäubt werden. Die Betäubungswirkung muss sofort eintreten und bis zum Eintritt des Todes anhalten. Weitere Zerlegearbeiten dürfen erst durchgeführt werden, wenn der Fisch tot ist.

  • Die sachgemäße Schlachtung muss kontrolliert werden.

  • Die deutschen Bestimmungen zum Schlachten von Fischen dürfen sich durch eine EU-einheitliche Regelung nicht verschlechtern.

  • Vor der eigentlichen Schlachtung muss die Belastung für die Fische auf ein Minimum reduziert werden.

  • Alternative Betäubungsmethoden, beispielsweise mit Eugenol, sollten weiter entwickelt und auch in der EU zugelassen werden.

  • Verbraucher sollten auf den Konsum von Fisch verzichten, bei dem sie keine Kenntnis darüber haben, ob er schonend getötet wurde, bzw. bei dem davon auszugehen ist, dass er unter Missachtung von Tierschutzkriterien getötet wurde.

  • Es darf nicht dazu kommen, dass die Fischproduktion sich in Ländern mit niedrigen Tierschutzstandards verlagert.

  • Bei der Einfuhr von Fisch müssen hinsichtlich der Tötung die gleichen strengen Standards gelten wie für Fisch, der in Deutschland bzw. in der EU geschlachtet wurde.

Quellen

(1) www.fischinfo.de
(2) Tierschutzgesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 18. Mai 2006 (BGBl. I S. 1206,1313), zuletzt geändert 2009
(3) Verordnung zum Schutz von Tieren im Zusammenhang mit der Schlachtung oder Tötung - Tierschutz-Schlachtverordnung von 1997, zuletzt geändert 2004
(4) Verordnung (EG) Nr. 1099/2009 des Rates vom 24.09.2009 über den Schutz von Tieren zum Zeitpunkt der Tötung
(5) The EFSA Journal (2009) 1010, 1-52, Species specific welfare aspects of the main systems of stunning and killing of farmed seabass and seabream
(6) The EFSA Journal (2009) 2012, 1-77, Species specific welfare aspects of the main systems of stunning and killing of farmed atlantic salmon.
(7) The EFSA Journal (2009) 1014, 1-42, Species specific welfare aspects of the main systems of stunning and killing of farmed eels.
(8) The EFSA Journal (2009) 1013, 1-55, Species specific welfare aspects of the main systems of stunning and killing of farmed fish: rainbow trout
(9) The EFSA Journal (2009) 1073, 1-34, Species specific welfare aspects of the main systems of stunning and killing of farmed turbot
(10) The EFSA Journal (2009) 1013, 1-37, Species specific welfare aspects of the main systems of stunning and killing of farmed carp
(11) The EFSA Journal (2009) 1072, 1-53, Species specific welfare aspects of the mainsystems of stunning and killing of farmed tuna
(12) The EFSA Journal (2004), 45, 1-29, Welfare aspects of the main systems of stunning and killing the main commercial species of animals
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(15) Robb, D.H.F., Wotton S.B., Mc Kinstry J.L., Sorensen N.K., Kestin, S.C., 2000: Commercial Slaughter Methods used on Atlantic Salmon: Determination of the Onset of Brain Failure by Electroencephalography. Vet Rec 147: 298-303)
(16) Van de Vis, Kestin, S.C., Robb, D. F. H., Lambooij, E., JW., Oehlenschläger, J., Huhlmann, H., Münker, Kuhlmann, H., Kloosterboer, R.J., Tejada, M., Huidobro, A., Ottera, H., Roth, B., Soerensen, N.K., Aske, L.,Byrne, H.,Nesvadba, P., 2003: Is humane slaughter of fish possible for industry? Aquaculture research, 34, 211-220.
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(22) Ruff, N. FitzGerald, R.D., Cross, 2002. slaughtering method and dietary alphatocopheryl acetate supplementation affect rigor mortis and fillet shelf-life of turbot Scophthalmus maximus L. aquaculture Research, 33: 703-714.
(23) Robb, D.H.F., Kestin, S.C., Warris, P.D. 2000: muscle Activity at slaughter. Changes in Flesh Colour and gaping in Rainbow Trout, aquaculture 182: 261-269.
(24) Van de Vis, H., Champod, M., Druon, S., Poort, M., Reimert, H., Lambooil, B., 2003: New pre-slaughtering conditions and quality index of turbot, in www. seafoodplus.org
(25) Verordnung (EG) Nr. 710/2009 der Kommission vom 05.08.2009 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 889/2008 mit Durchführungsvorschriften zur Verordnung (EG) N.
834/2007 des Rates im Hinblick auf Durchführungsvorschriften für die Produktion von Tieren und Meeresalgen in ökologischer/biologischer Aquakultur.

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