Heimtierzucht

Heim-, Hobby- und Gesellschaftstiere

An tierschutzrelevanten Zuchtausrichtungen fehlt es auch in der Heimtierzucht nicht.

Gravierende Zuchtdefekte finden sich nicht nur bei Hund und Katze, sondern auch bei Kaninchen und Kleinnagern sowie bei Rassegeflügel, Ziervögeln und Zierfischen. Beispielhaft sei auf einige Fehlentwicklungen hingewiesen. So können Veränderungen in der Fellfärbung bei Hund ("Merle-Faktor") und Katze (dominant-weiße Fellfärbung) zu Sinnesverlusten führen. Bei Hunden, Katzen und Kaninchen finden sich Zuchtformen mit ausgesprochen runden Köpfen, kurzen Schnauzen und großen, hervortretenden Kulleraugen, die von unbedarften Betrachtern als besonders niedlich empfunden werden. Dabei wird verkannt, dass solche Rassen zu Schwergeburten neigen, da die Jungtiere den Geburtskanal nicht ungehindert passieren können, was oft Kaiserschnitt-Entbindungen notwendig macht.

Die Schnauzen- und Nasenverkürzung hat Atem- und Schluckbeschwerden zur Folge. Auch Kiefer- und Zahnfehlstellungen sowie Zahnverluste sind regelmäßig zu beobachten. Interessant ist auch die "Gewöhnung" bzw. die Akzeptanz von Züchtungen, die rasseeigene Krankheitsbilder entwickelt haben. Da nimmt es so mancher "Tierfreund" in Kauf, dass die Beine seines Hundes eigentlich zu kurz für den langen Körper sind und der Hund unter Rückenproblemen leidet (Basset), taub und stoffwechselkrank ist (Dalmatiner), schnauft und schnarcht (Bulldogge) oder ihm die Augen aus dem Kopf treten (Pekingese).

Bei Rassegeflügel und Ziervögeln führen ausgedehnte Federhauben zu Sichtbeeinträchtigungen. Mitunter bedingen solche Federhauben auch Schädel- und Gehirnveränderungen sowie weitere körperliche Missbildungen. Einige Zuchtformen des Kanarienvogels leiden aufgrund einer züchterisch veränderten Körperhaltung unter Gleichgewichtsstörungen und haben Mühe, sich auf der Sitzstange zu halten.

Bodenpurzel-Tauben haben ihr Flugvermögen eingebüßt und schlagen stattdessen Purzelbäume auf dem Boden. Diese kurze Auflistung mag einen Einblick geben, auf welch vielgestaltige Weise tierschutzrelevante Zuchtziele kritisch zu hinterfragen sind.

nächste Seite: Rechtslage

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie diese Webseite benutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies entsprechend den Bestimmungen unserer Datenschutzerklärung zu. Wir sammeln keine Daten, über die Sie persönlich identifiziert werden können. mehr Infos