Horror im Schlachthof

Horror im Schlachthof

Quelle: SWR Fernsehen v. 08.07.2010

Unser täglich Fleisch

Tierarzt Klaus Tröger am Max Rubner-Institut in Kulmbach kennt fast jeden Schlachthof in Deutschland und viele anderswo in Europa und der Welt. Er leitet das bundeseigene Institut für Sicherheit und Qualität bei Fleisch. Sein großes Thema ist der Tierschutz beim Schlachten.

Für Prof. Klaus Tröger vom Max Rubner-Institut liegt das Problem bei der Schlachtung: "Wenn man den Tierschutz bei der ganzen Fleischproduktionskette gewichten wollte, angefangen von der Landwirtschaft über den Transport bis hin zur Schlachtung, existieren im letzten Punkt die größten Defizite." Ein Vorzeige-Schlachthof ist das Fleischversorgungszentrum Mannheim:
Die Tiere werden mit Kohlendioxid betäubt und zeigen weder Augenreflexe noch Schmerzempfinden. Trotz Fließband hat der Stecher genug Zeit, das Tier zu entbluten und sterben zu lassen. Aber hier werden nur 180 Schweine pro Stunde geschlachtet. In einem hochindustrialisierten Schlachtbetrieb ist das anders.

Prof. Tröger findet die Schlachtung größtenteils nicht akzeptabel: "Wir haben heute Schlachtzahlen von über 1500 Schweinen pro Stunde auf einer Linie. Der Stecher, der am Band steht, um ein Schwein tiergerecht abzustechen, hat meist weniger als zwei Sekunden Zeit. Wenn große Gefäße verfehlt werden, was bei dem Schachttempo durchaus der Fall sein kann, oder gar ein Tier übersehen wird, dann sind diese Tiere sehr schnell am Schlachtband wieder wach. Es gibt heute kein Kontrollsystem, um diese Tiere vor dem Verbrühen in dem anschließenden Brühsystem zu retten."

Bis zu einem Prozent der Schlachtschweine sterben erst beim Überbrühen, schätzt Prof. Tröger nach seinen Untersuchungen. Rein rechnerisch werden in Deutschland demnach jährlich über 500.000 Tiere unnötig gequält.

Fehlschüsse bei Rindern

Für Tröger vom Max Rubner-Institut ist bei den Mitarbeitern eine gewisse Abstumpfung eingetreten und seitens der Öffentlichkeit wird kein Druck ausgeübt, weil die breite Öffentlichkeit, der Verbraucher, diese Zustände nicht kennt. Technisch möglich wäre eine Fixierung des Kopfes, die Fehlschüsse nahezu ausschließt. Möglich wäre auch eine automatische Kontrolle vor dem Verbrühen, ob die Tiere tot sind. Aber vorgeschrieben sind solche Maßnahmen nicht. Ob die Schlachthöfe freiwillig etwas ändern? Wohl kaum, solange Fleischesser nur darauf schauen, dass das Schnitzel gnadenlos billig ist.

SCHLACHTHOF UNZENSIERT:
Undercover- Recherche deckt auf, wie die Realität in deutschen Schlachthöfen aussieht!
Im Rahmen unserer neuen Undercover-Recherche in einem der größten Rinderschlachthöfe Deutschlands decken wir auf, wie die Realität in deutschen Schlachthöfen aussieht. Über mehrere Wochen haben Tierrechtler den Rinderschlachthof der Standard-Fleisch GmbH & Co. KG in Oldenburg observiert und die dort anhaltenden Zustände mit versteckten Kameras dokumentiert. Und was dort zu sehen ist, lässt jeden erschaudern.

Die entstandenen Videos zeigen, wie eine Vielzahl von Rindern und ausgedienten Milchkühen unzureichend und nicht fachgerecht betäubt wurden und, obwohl sie augenscheinlich bei Bewusstsein waren, noch lebend gestochen und getötet wurden. Darüber hinaus wurden Tiere illegal bis zu 28 Mal mit Elektroschockern malträtiert, mit Treibpaddeln oder anderweitig gewaltsam aus ihren Boxen getrieben und vorsätzlich Verletzungsgefahren ausgesetzt. Zudem dokumentieren die Aufnahmen auch, dass anwesende Veterinäre dabei zusahen und nicht einschritten. Wir haben umgehend Strafanzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Oldenburg gestellt und fordern die Schließung des Schlachthofs!

MEHR INFORMATIONEN
Der Schlachthof der Standard-Fleisch GmbH & Co. KG gehört zu den größten Rinderschlachtbetrieben Deutschlands. In einem Ranking von 2016 lag der Betrieb auf dem achten Rang deutschlandweit. Der Schlachthof ist BIO-Zertifiziert und zerlegte in der Vergangenheit, laut Angaben eines Abnehmers, mindes-tens einmal die Woche Tiere aus biologischer Haltung. Eine enge Kooperation besteht seit 2017 mit der Böseler Goldschmaus GmbH, die selbst zu den größten Betrieben für die Produktion und den Vertrieb von Wurst- und Fleischwaren zählt und ihr Rindfleisch u.a. von der Standard-Fleisch GmbH & Co. KG bezieht. Nach eigenen Angaben der Goldschmaus-Gruppe betreibt diese seit Anfang 2018 die Großviehschlachtung in Oldenburg gemein-sam mit dem Eigentümer der Standard-fleisch GmbH & Co. KG. Goldschmaus selbst vertreibt verarbeitete Fleisch- und Wurstwaren an verschiedene Hersteller und Supermarktketten.

Allein in Deutschland werden jährlich mehr als 3,5 Millionen Rinder in über 3000 Betrieben geschlachtet. Trotz gesetzlicher Vorgaben gibt es in Schlachthäusern regelmäßig Fälle von Gesetzesverstößen und Tierquälerei. Die aufgedeckten Zustände in Oldenburg sind ein weiterer Fall in einer Reihe von extremen Skandalen in deutschen Schlachthöfen im Jahr 2018. Bis heute wurden bereits fünf Schlachthöfe temporär oder dauerhaft wegen Tierquälerei und anderen Gesetzesverstößen geschlossen, nachdem Tierrechtler Undercover-Recherchen durchgeführt haben. Erst vor wenigen Tagen wurde ein Betrieb in Bad Iburg (Niedersachsen) dauerhaft geschlossen. Die Aufnahmen sind ein erneutes und trauriges Beispiel dafür, wie das System an allen Ecken und Enden versagt. Der einzige und nachhaltigste Weg, Bilder dieser Art zu vermeiden, ist ein Ende der Massen-tierhaltung und ein Umstieg zu veganer Ernährung.
Quelle: Tierschutzbüro

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